hochgejazzt?

July 31, 2009

Jazz wird in der Wirtschaft als Vorbild für die (Selbst-)Organisation und Dynamik von Teams und Firmen entdeckt: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,638583,00.html.

Der Gedanke ist mir als altem Jazzliebhaber sehr sympathisch: Jazz lebt von der Kreativität jedes Einzelnen, nichts ist durchgeplant, es funktioniert mit einem Minimum an Regeln, nach denen improvisiert wird.

Ein Modell auch für Gemeinde? Wäre natürlich toll, verlangt aber auch viel vom Einzelnen: große Eigenständigkeit, genaues Hinhören auf die anderen, Aushalten von Unsicherheit, Flexibilität… Gemeinde “am Rande des Chaos” – damit muss man erst mal leben wollen. Aber auch beim Jazz gibt es ja zwischen BigBand-Swing und Freejazz á la Coleman eine große Bandbreite. Die Gemeinde als Combo, der Pfarrer als Bandleader – mir gefällt das.

orginal dixiland jazz band

Achse der Raser

April 29, 2009

plane crash

Es ist wohl nur ein Gerücht, dass sich am Verhalten im Straßenverkehr der Charakter eines Menschen zeigt. Ansonsten gäbe eine jetzt veröffentlichte Liste der größten Verkehrsrowdys unter den Diplomaten in Berlin Anlass zu wilden Spekulationen. Bekanntlich genießen Angehörige des diplomatischen Corps Immunität und können deshalb auch für Verkehrsvergehen nicht belangt werden. Der Spiegel hat eine Liste veröffentlicht, welche Diplomaten von der Straffreiheit am meisten Gebrauch machen. Und, siehe da begegnen uns doch einige Bekannte, deren Reputation nicht erst seit seligen Georg W.-Zeiten etwas gelitten hat:

  1. Saudi-Arabien
  2. Russland
  3. Ägypten
  4. Iran
  5. Libyien

Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Was ist Mission?!

April 18, 2009

[Auszug aus meiner Predigt für den morgigen Sonntag zu Joh 20,19-29:]

[...] Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Darauf läuft es also hinaus. Jesus gibt den Stab weiter, überlässt jetzt sein Werk seinen Nachfolgern und vertraut ihnen den Auftrag an, den er von Gott, dem Vater bekommen hat. Jesus gibt den himmlischen Impuls, der ihn sein Leben lang angetrieben hat, weiter an seine Zeugen. Die Jünger Jesu, seine Geschwister und Mitarbeiter, die immer wieder bruchstückhaft erfasst worden sind von dieser Bewegung, die da im Gange war, sehen sich jetzt plötzlich mittendrin: aufgefordert, sich selbst ganz von dieser Bewegung in Beschlag nehmen zu lassen, sie zu verbreiten, ihr Leben davon bestimmen zu lassen.
Liebe Schwestern und Brüder, mir kommen bei diesem Jesuswort gleich alle möglichen Fragen: Ist das jetzt die Aufforderung zur Mission? Was heißt es für die Jünger, von Jesus gesandt zu werden? Sollen und dürfen wir dieses Wort genauso für uns Gegenwartsmenschen gelten lassen? Mir kommt der sogenannte „Missionsbefehl“ Jesu aus Mt. 28 in den Sinn: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker…“ Wieviel Geschichte wurde aufgrund dieses Verses geschrieben, wieviel Unheil und Heil über die Welt gebracht! Wie können und sollen wir diese Sendung – und Mission heißt ja nichts anderes –  verstehen? Eine Möglichkeit bleibt uns jedenfalls nicht: diesen Auftrag, das Vermächtnis des Auferstandenen, stillschweigend zu übergehen. Dafür nimmt es, in unterschiedlicher Gestalt, bei allen Evangelisten einen zu prominenten Platz ein.

[...] Zu allem Unglück zieht sich diese Frage und mit ihr ganz verschiedene Antworten auch durch die Geschichte. „Mission“ wurde die gewaltsame territoriale Machtausdehnung im Mittelalter genannt, die als „Kreuzzüge“ firmierte. „Mission“ wurde die Verbreitung christlichen Gedankenguts in Europa durch iroschottische Wandermönche im 5. Jahrhundert genannt. „Mission“ wurde die Einpflanzung europäischer kirchlicher Strukturen in Asien und Afrika im Zuge der Kolonialisierung genannt. „Mission“ wurde der Bau von Brunnen und Krankenhäusern in der sog. „dritten Welt“ im 19. und 20. Jh. genannt. „Mission“ werden Massenversammlungen in bettelarmen Gegenden Afrikas mit dem Ziel möglichst vieler Sofortbekehrungen genannt. „Mission“ nannten und nennen es auch unzählige Frauen und Männer, die alles aufgeben, um Menschen in aller Welt das Evangelium Jesu Christi zu verkünden und dabei ihren Wohlstand, ihre Sicherheit, und nicht selten  auch ihr Leben, zurücklassen.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Bringt sie uns der Antwort auf die Frage näher, was Jesus mit seinen wenigen, kargen Worten dazu gemeint haben könnte?
Im Blick auf den Bibeltext ist zunächst interessant, dass im Gegensatz zu den „Missionsbefehlen“ bei Matthäus, Markus und Lukas in diesem Satz, den Johannes wiedergibt, das Wort „Sendung,“ also „Mission,“ tatsächlich vorkommt, und zwar zweifach: in der Sendung Jesu durch den Vater, mit der unsere Sendung durch Jesus in direktem Zusammenhang steht. „Mission“ – dass kann nie unsere Sache sein, das bleibt immer die Sache Jesu und damit die Sache Gottes des Vaters. Mission, soweit das Zwischenergebnis, das setzt voraus, gesandt zu sein, Jesus, und damit Gott, den Vater, gehört und ihm geglaubt zu haben.

[...] Wenn wir auf die Gruppe derjenigen schauen, die bei der ersten Begegnung dabei waren, fällt noch etwas Merkwürdiges auf. Nachdem Jesus sie gesandt hat, brechen sie keineswegs auf in die weite Welt. Sie gründen keine Kirche und bauen kein Krankenhaus. Sie gründen keine Missionsgesellschaft und es ist nicht einmal die Rede davon, dass sie in der Nachbarschaft Besuchsdienste machen oder zu Gottesdiensten einladen. Das sollte uns zu denken geben: Am Anfang der Missionsgeschichte, die ja durchaus weite Kreise zog, sitzt ein Haufen verängstigter Leute in einem Haus – die Türen sind selbst nach acht Tagen noch „verschlossen“. Sie verfallen keineswegs in Aktionismus. Sie haben unglaubliches erlebt und erfahren und bleiben einfach zusammen, halten Gemeinschaft und halten auch gemeinsam Zweifel aus. Und sie warten gemeinsam auf Jesus, auf eine Bekräftigung seiner Zusage und die Beglaubigung seiner Gegenwart.
Diese Erfahrung – Jesus zu begegnen und den Heiligen Geist zu empfangen – haben viele Menschen auch nach den Aposteln gemacht, bis heute. Mission fängt mit uns an, mit jedem Einzelnen und mit uns als Gemeinschaft, als Leib Christi. Wenn wir uns nicht gegenseitig tragen und ermutigen, im Zweifel und im Glauben zusammen bleiben, brauchen wir uns auch nicht vormachen, wir betrieben „Mission,“ ganz gleich wie aktiv und engagiert wir sind. Aus dieser Kraft heraus aber, der Kraft die aus der Gemeinschaft kommt, die Jesus in ihrer Mitte hat, sind wir schon Gesandte, bevor wir hinausgehen in die Welt. Von diesem Tag an begannen die Jünger, für Jesus zu kämpfen und einzustehen. Stefan starb als Märtyrer in Jerusalem, Petrus und Paulus in Rom und Thomas, so eine Legende, reiste im Namen Jesu bis nach Indien. Sie veränderten die Welt wie kaum jemand vor und nach ihnen.

Alte Psalmen Neu

March 19, 2009

Klar – die Psalmen gehören zu den eindrücklichsten und packendsten Gebeten, die je gesprochen wurden. Stehen ja auch in der Bibel.

Nicht so klar - ist oft die Sprache und die Bedeutung der Psalmen. Entweder es sind Metaphern die kaum jemand noch kennt und die Sprache ist leicht verstaubt oder schon zu oft gehört.

Deshalb bieten sich die Psalmen an, sie neu zu dichten und kreativ nachzubeten. Hast du’s schon mal probiert – und vielleicht sogar aufgeschrieben?

Als Kostprobe eine Paraphrase von Ps 139,1-12, dich ich kürzlich verfasst habe.

Ps 139

Psalm 139

Herr, du kennst mich durch und durch. wie ein offenes Buch liege ich vor dir.

Du weißt, ob ich sitze oder stehe – siehst mich von weitem, wie mit einem Fernglas.

Du weißt, ob ich liege oder laufe und wohin ich gehe, vor meinem ersten Schritt.

Alles, was ich sage, weißt du, bevor ich’s in Worte fassen kann.

In welche Richtung ich auch schaue, seh’ ich dein Gesicht. Ob ich liege, sitze, lauf oder steh, hält mich deine Hand.

Ich versuch erst gar nicht, das zu versteh’n. Es ist zu hoch für meinen kleinen Geist.

Gibt’s eigentlich irgend einen Ort, an den du nicht hinkommst? An dem ich mal ‘ne Auszeit nehmen kann von dir?

Ich könnt ans Ende der Galaxis fliegen und du wärst dort; oder in die ewige Dunkelheit der Tiefsee, und du wärst da.

Selbst wenn ich von heut’ auf morgen zum Nordpol jetten würde, wärst du dort mein Reiseführer und ich weiß: Ich könnte mich auf dich verlassen.

Und wenn ich nur noch abtauchen will, mich verstecken in einer dunklen Kammer – dann gäb’s für dich keine Dunkelheit und keinen toten Winkel.

Wie ein Halogenscheinwerfer machst du aus tiefer Finsternis strahlendes Licht.

Lothar Kosse hat mit einigen anderen Musikern zusammen ein Psalmenalbum rausgebracht. Aus diesem Anlass habe ich mit ihm für SOUND7.DE gesprochen. Ein sehr interessantes und auch überraschendes Gespräch – der Mann hat viel zu sagen, u.a. über Jazz, Improvisation und Instrumental-Worship. Aber seht selbst:

http://www.sound7.de/article.php?channel=3&article=6842

Lothar Kosse

Lothar Kosse

Zeichen des Aufbruchs

March 3, 2009

Seit einiger Zeit beteilige ich mich an einem Netzwerk innerhalb der badischen Landeskirche, dass nun langsam ans Licht der Öffentlichkeit tritt, z.B. bei Dave. Worum geht’s dabei? Noch ein frommer Klub, der sich um sich selber dreht? Noch eine Ideenschmiede, die nichts tut? Hoffentlich nicht! Das Vision Statement von Church Convention beinhaltet die drei Punkte Verbunden in Freundschaft – Geistlich im Aufbruch – Leidenschaftlich im Leben. Es soll ein Verbund von Mitarbeitern der Landeskirche sein, die sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben, sondern Kirche ganz neu gestalten und leben wollen.

Church Convention

Die ersten Treffen haben mich positiv gestimmt, dass da echt ein Haufen gleichgesinnter Leute zusammenkommt, die ganz schön handfest träumen. Füreinander beten, gut essen und nach vorne denken sind wichtige Elemente. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, es aber durchaus wieder ins Rollen bringen wo es eingerostet ist. Ich sehe CC als Teil einer Bewegung, die die Kirche Christi an vielen Orten auf dieser Welt durchzieht (z.B. in Amiland, auf der Insel oder in der Nachbarschaft) und die, vom hohen Ross einer jahrhundertelangen Fusion von Christentum, Staat und Kultur gestoßen, mit einem Ohr neu hören lernt auf die Herausforderungen der zerfallenden Moderne einerseits und dem Ruf Jesu andererseits.

Das “christliche Abendland” ist längst nicht mehr der Nabel der christlichen Welt. Was die Relevanz des Evangeliums und tatkräftig gelebten Glauben angeht, stehen wir längst unten auf der Liste. Und doch haben wir diese lange Geschichte und reiche theologische Tradition aus der wir schöpfen können. Ich finde es sehr spannend zu fragen wir wir das wieder neu zusammenbringen und, genau hier in Baden, zusammen leben und uns neu von Gott senden lassen können. Lesslie Newbigin hat mal gesagt: “Die einzige Auslegung der Bibel ist heutzutage die Gemeinde.” Ich glaube da ist was dran. Und es liegt nicht nur, aber auch an uns wie diese Auslegung aussieht.

Der “Sammelblog” Pastorbuddy, bei dem ich auch dabei bin, von dessen Güte ich aber natürlich unabhängig davon überzeugt bin, hat es in die Endrunde des “Webfish”-Wettbewerbs für kirchlich-theologische Internetseiten geschafft.

Klick doch auch mit dass wir gewinnen!

http://www.ekd.de/webfish/2009/voting2009.php

Was wäre wenn…

February 23, 2009

Ian Thomas - Christus in Euch

…es Gott nicht gäbe? Sähe dann dein Leben anders aus? Würde sich irgend etwas ändern daran, wie wir “Kirche” leben? Würden wir es überhaupt merken…?

Auf diese Frage läuft Ian Thomas’ Buch “Christus in euch” hinaus. Das Buch ist eine Herausforderung gerade für Menschen, die sich als bewußte Christen verstehen. Sein Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Christen Befreiung und Vergebung durch Christus erfahren haben und trotzdem Tag für Tag aus eigener Kraft leben und es gar nicht erleben, dass Christus durch sie lebt. Thomas selbst sagt, er habe viele Jahre versucht für Gott zu leben und sich dabei kaputt geschuftet und dabei nicht erkannt dass Gott durch ihn leben möchte. So wichtig dass “Wir in Christus” ist, so essentiell ist eben das “Christus in uns” als Gegenstück. Christus ist für uns gestorben und hat die Sünde auf sich genommen – und er ist auferstanden, um uns Kraft und neues Leben zu geben. Gott möchte, durch und mit uns, anfangen, “Himmel auf Erden” zu verwirklichen.

Mich hat das Buch neu ins Nachdenken gebracht, wie sehr ich “mein eigenes Ding” mache und dabei nicht nur mir das Leben schwer mache, sondern auch ziemlich ineffektiv in meinem Umfeld wirke. Wenn Gott irgendwas machen will und wir uns dazu zur Verfügung stellen, dann geht es wie von alleine. Wenn wir aber keine Augen dafür haben, wird’s ziemlich mühsam und vergeblich. Auch wenn manche Beispiele, z.B. die konsequent allegorische Auslegung des Alten Testaments, manchmal etwas willkürlich erscheinen, kann ich es nur empfehlen, sich von Thomas und seiner Botschaft herausfordern zu lassen. Es ist gut, Ägypten zu verlassen – aber nicht, in der Wüste zu bleiben.

Hier noch ein Ausschnitt, der die eingangs erwähnte Frage näher beschreibt:

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Die Klasse

February 5, 2009

Die Klasse

Die Klasse

Auf den französischen Film “Die Klasse” war ich besonders gespannt, zum einen weil er hochgelobt wurde und eine goldene Palme gewonnen hat, zum anderen weil ich selbst zur Zeit in einer Schule unterrichte, die wohl den herkömmlichen Anforderungen an eine “Brennpunktschule” entspricht. Der Film ist nicht schlecht, aber ganz konnte er mich nicht überzeugen.

Der Film ist bemüht um einen authentischen Blickwinkel auf den Schulalltag in einer Banlieu-Schule mit Schülern, die fast alle ausländische Wurzeln haben. Was dem Film gut gelingt, ist den alltäglichen Wahnsinn einzufangen, ohne der Versuchung einer zu stringenten Dramaturgie zu erliegen. Sprich: Der Lehrer weiß oft auch nicht, was er auf die oft triftigen (An-)fragen seiner Schüler antworten soll. Er lässt sich auf Sinnfragen und Grundsatzdiskussionen ein, wobei man ihm oft den Zweifel abspürt, ob es jetzt ehrliche Fragen sind oder Ablenkunsmanöver. Oft stößt er an Grenzen, versucht es mit Strafen, Appellen und wird auch mal ausfallend.

Neben der vielschichtigen Figur des Lehrers Francois ist es auch gut gelungen, die Athmosphäre im Lehrerzimmer einzufangen: eine anrührende Mischung aus Idealismus, Zusammenhalt und Resignation. Skurril, wie die Themen wechseln zwischen dem Abschiebeverfahren der Mutter eines Schülers und der Preiserhöhung für den Kaffeeautomaten. Irgendwie ist jeder Einzelkämpfer und doch ringen alle mit den gleichen Problemen. Auch hier haben die Filmemacher es geschafft, die Situationen dadurch glaubhaft wirken zu lassen, dass sie oft ins Leere laufen. In einer Szene geht es um Sanktionen für einen Schüler. Nachdem sich – mal wieder – eine Grundsatzdiskussion über die Sanktionsspirale entfaltet, schaltet sich der Rektor ein: “Ok, das ist ja alles schön und gut, aber ich bin ziemlich dumm und muss jetzt einfach wissen, was ich ins Zeugnis schreibe.”

Wie gesagt, stark fand ich die deskriptive Art des Films ohne dramaturgisches Korsett (Spannung darf man natürlich auch nicht erwarten). Das ist einfach ein unverfälschter Blick auf die alltägliche Verfahrenheit an einer Schule, an der jeder mit vielen Dingen zu kämpfen hat und die eigentliche Funktion der Schule eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Es gibt wenig moralisierende Tendenzen, das ständige Dilemma zwischen Strafen für Schüler, die sie oft noch tiefer in den Schlamassel bringen und zu großer Nachsichtigkeit, die den Unterricht unmöglich machen und den Einzelnen erst recht keine Regeln einsichtig machen, wird meines Erachtens sehr wirklichkeitsnah dargestellt, besonders in der Person von Francois.

Wieso war ich trotzdem ein wenig enttäuscht von dem Film? All die Dinge die beschrieben werden, vom dreisten Desinteresse bis zum ständigen “Ich habe meine Sachen vergessen” und “Was geht Sie das an, wie ich das persönlich sehe” sind mir auch aus der Schule allzu vertraut. Letztlich dachte ich oft, dass die Film-Schüler noch sehr angenehm sind, weil sie letztlich sehr viel diskutieren und doch im großen und ganzen mitarbeiten. Das Problem ist eben, dass der Film eben doch oft auf der recht oberflächlichen Beschreibungsebene bleibt. Natürlich wird angedeutet, wie eng das schulische Verhalten mit sozialen Zusammenhängen, familiären Problemen und kulturellen Unterschieden zusammenhängt. Auch das Lehrerdilemma, wie man mit Disziplinlosigkeit umzugehen hat, wird beschrieben, und da hätte ich jetzt auch keine Instantlösung erwartet, weil es sie nicht gibt.

Was mich wirklich interessiert hätte, wäre ein tieferer Einblick gewesen, was die Schüler zu ihrem Verhalten bringt. Was ist letztlich das Problem von Suleyman (der von der Schule verwiesen wird) – warum kann er sich partout nicht einfügen? Man erfährt, das er aus Mali kommt und wahrscheinlich nach seinem Rausschmuss dorthin zurück muss. Es kommt rüber, dass er viele Dinge anders sieht, was wahrscheinlich mit seinem Kulturkreis zu tun hat. Er hat eine überbehütende Mutter, die ein verzerrtes Bild von ihrem Sohn hat. Alles schön und gut. Das ist die Perspektive, die ich auch auf viele Schüler habe. Aber was erklärt letztendlich, dass jemand jede Mitarbeit verweigert, zu cholerischen Ausfällen neigt und weder zu Mitschülern noch zum Lehrer ein vernünftiges oder respektvolles Verhältnis aufbauen kann? Dieser Schritt hat mir gefehlt, aber vielleicht ist das ein anderer Film.

Gute Clips..

February 4, 2009