Was wäre wenn…

February 23, 2009

Ian Thomas - Christus in Euch

…es Gott nicht gäbe? Sähe dann dein Leben anders aus? Würde sich irgend etwas ändern daran, wie wir “Kirche” leben? Würden wir es überhaupt merken…?

Auf diese Frage läuft Ian Thomas’ Buch “Christus in euch” hinaus. Das Buch ist eine Herausforderung gerade für Menschen, die sich als bewußte Christen verstehen. Sein Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Christen Befreiung und Vergebung durch Christus erfahren haben und trotzdem Tag für Tag aus eigener Kraft leben und es gar nicht erleben, dass Christus durch sie lebt. Thomas selbst sagt, er habe viele Jahre versucht für Gott zu leben und sich dabei kaputt geschuftet und dabei nicht erkannt dass Gott durch ihn leben möchte. So wichtig dass “Wir in Christus” ist, so essentiell ist eben das “Christus in uns” als Gegenstück. Christus ist für uns gestorben und hat die Sünde auf sich genommen – und er ist auferstanden, um uns Kraft und neues Leben zu geben. Gott möchte, durch und mit uns, anfangen, “Himmel auf Erden” zu verwirklichen.

Mich hat das Buch neu ins Nachdenken gebracht, wie sehr ich “mein eigenes Ding” mache und dabei nicht nur mir das Leben schwer mache, sondern auch ziemlich ineffektiv in meinem Umfeld wirke. Wenn Gott irgendwas machen will und wir uns dazu zur Verfügung stellen, dann geht es wie von alleine. Wenn wir aber keine Augen dafür haben, wird’s ziemlich mühsam und vergeblich. Auch wenn manche Beispiele, z.B. die konsequent allegorische Auslegung des Alten Testaments, manchmal etwas willkürlich erscheinen, kann ich es nur empfehlen, sich von Thomas und seiner Botschaft herausfordern zu lassen. Es ist gut, Ägypten zu verlassen – aber nicht, in der Wüste zu bleiben.

Hier noch ein Ausschnitt, der die eingangs erwähnte Frage näher beschreibt:

Ungezählte Christen leben, in Missachtung der Worte, die sie reden, singen oder beten, als wäre Gott tot. Die Kirche Jesu Christi muss heute vor allen Dingen neu entdecken, dass Gott lebt, und sie muss danach handeln.

Angenommen, Gott würde heute Nacht sterben! Würde das deine Lebensart als Christ morgen verändern? Rechnest du überhaupt so mit ihm, dass du einen Unterschied in deinem Alltag und in deiner christlichen Arbeit merken würdest? Würde es den geringsten Unterschied am nächsten Sonntag im Gottesdienst ausmachen, wenn Gott heute Nacht stürbe, oder würde alles im gleichen Trott ablaufen? Würde es überhaupt jemand merken, wenn es ihnen keiner sagt? Oder würde der ganze Apparat wie immer weiterlaufen, bei den Leuten in den Kirchenbänken, dem Pfarrer auf der Kanzel und der Kollekte für den Baufond am Ausgang? Niemand hat ihnen gesagt, dass Gott gestorben ist!

Wnn wir es wagen würden, die harte und nüchterne Tatsache zuzugeben, dann müssten wir gestehen, dass es sehr wenig im Leben unserer Kirchen, in der Arbeit unserer Missionsgesellscahften und christlichen Organisationen gibt, das sich nicht als menschliches Können und Mühen erklären lässt, und nur Weniges nicht mehr weitergeführt werden könnte, wenn Gott tot wäre.

3 Responses to “Was wäre wenn…”

  1. Daniel said

    …ich finde das Buch vor allem wegen seiner konsequent christologischen AT-Auslegung genial. Immer darf man so was nicht machen – aber wenn schon, dann richtig… :-)

  2. Simon said

    also wenn richtig, dann immer, oder..? die christologische auslegung ist teilweise interessant, aber manches wird halt schon etwas überstrapaziert, z.b. amalek als symbol für alles was einen im glauben hindert

  3. Werner said

    Die hermeneutischen Fragen lassen sich nicht ohne einen bestimmten Erfahrungshintergrund diskutieren, das wird gerade bei Thomas deutlich. Die Erkenntnis, dass Christus uns Christen zu Trägern seiner göttlichen Anwesenheit macht und unser Dasein dadurch eine Art Werkstatt Gottes auf Erden wird, war für Thomas in einer bestimmten krisenhaften LebensSituation ein “Turm-Erlebnis”, das seinen biografischen Weg und seine psychische Konstitution entscheidend verändert hat (vielleicht ähnlich Luthers Auslegung zu Rö 1,16-18). An diesem Buch finde ich theologisch und lebenspraktisch eine Frage wirklich herausfordernd, der Hans-Georg Ulrich (bestimmt unabhängig von Thomas) auch nachgegangen ist: wie agiert Gott als Subjekt in meinem Tun, wenn und während ich selber handle? (Nach dem Motto: “Wer bin ich und wenn ja, wieviele?”) Das gedachte Nacheinander von Gottes Tun und menschlichem Handeln muss zu einem gelebten Ineinander und Miteinander werden. Also nicht mehr: erst Gottes Wort und dann meine Antwort, erst Gottes Gabe und dann mein Gehormsam (erst Indikativ und dann Imperativ); sondern: “Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” (Gal 2,20) Es soll zu einer (merkwürdigen) Mischung und Verflechtung von seinem und meinem Tun kommen, sodass ich sein “Werkzeug” werde (vgl. Franz von Assisi).

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