Alte Psalmen Neu
March 19, 2009
Klar – die Psalmen gehören zu den eindrücklichsten und packendsten Gebeten, die je gesprochen wurden. Stehen ja auch in der Bibel.
Nicht so klar - ist oft die Sprache und die Bedeutung der Psalmen. Entweder es sind Metaphern die kaum jemand noch kennt und die Sprache ist leicht verstaubt oder schon zu oft gehört.
Deshalb bieten sich die Psalmen an, sie neu zu dichten und kreativ nachzubeten. Hast du’s schon mal probiert – und vielleicht sogar aufgeschrieben?
Als Kostprobe eine Paraphrase von Ps 139,1-12, dich ich kürzlich verfasst habe.

Psalm 139
Herr, du kennst mich durch und durch. wie ein offenes Buch liege ich vor dir.
Du weißt, ob ich sitze oder stehe – siehst mich von weitem, wie mit einem Fernglas.
Du weißt, ob ich liege oder laufe und wohin ich gehe, vor meinem ersten Schritt.
Alles, was ich sage, weißt du, bevor ich’s in Worte fassen kann.
In welche Richtung ich auch schaue, seh’ ich dein Gesicht. Ob ich liege, sitze, lauf oder steh, hält mich deine Hand.
Ich versuch erst gar nicht, das zu versteh’n. Es ist zu hoch für meinen kleinen Geist.
Gibt’s eigentlich irgend einen Ort, an den du nicht hinkommst? An dem ich mal ‘ne Auszeit nehmen kann von dir?
Ich könnt ans Ende der Galaxis fliegen und du wärst dort; oder in die ewige Dunkelheit der Tiefsee, und du wärst da.
Selbst wenn ich von heut’ auf morgen zum Nordpol jetten würde, wärst du dort mein Reiseführer und ich weiß: Ich könnte mich auf dich verlassen.
Und wenn ich nur noch abtauchen will, mich verstecken in einer dunklen Kammer – dann gäb’s für dich keine Dunkelheit und keinen toten Winkel.
Wie ein Halogenscheinwerfer machst du aus tiefer Finsternis strahlendes Licht.