Was ist Mission?!

April 18, 2009

[Auszug aus meiner Predigt für den morgigen Sonntag zu Joh 20,19-29:]

[...] Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Darauf läuft es also hinaus. Jesus gibt den Stab weiter, überlässt jetzt sein Werk seinen Nachfolgern und vertraut ihnen den Auftrag an, den er von Gott, dem Vater bekommen hat. Jesus gibt den himmlischen Impuls, der ihn sein Leben lang angetrieben hat, weiter an seine Zeugen. Die Jünger Jesu, seine Geschwister und Mitarbeiter, die immer wieder bruchstückhaft erfasst worden sind von dieser Bewegung, die da im Gange war, sehen sich jetzt plötzlich mittendrin: aufgefordert, sich selbst ganz von dieser Bewegung in Beschlag nehmen zu lassen, sie zu verbreiten, ihr Leben davon bestimmen zu lassen.
Liebe Schwestern und Brüder, mir kommen bei diesem Jesuswort gleich alle möglichen Fragen: Ist das jetzt die Aufforderung zur Mission? Was heißt es für die Jünger, von Jesus gesandt zu werden? Sollen und dürfen wir dieses Wort genauso für uns Gegenwartsmenschen gelten lassen? Mir kommt der sogenannte „Missionsbefehl“ Jesu aus Mt. 28 in den Sinn: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker…“ Wieviel Geschichte wurde aufgrund dieses Verses geschrieben, wieviel Unheil und Heil über die Welt gebracht! Wie können und sollen wir diese Sendung – und Mission heißt ja nichts anderes –  verstehen? Eine Möglichkeit bleibt uns jedenfalls nicht: diesen Auftrag, das Vermächtnis des Auferstandenen, stillschweigend zu übergehen. Dafür nimmt es, in unterschiedlicher Gestalt, bei allen Evangelisten einen zu prominenten Platz ein.

[...] Zu allem Unglück zieht sich diese Frage und mit ihr ganz verschiedene Antworten auch durch die Geschichte. „Mission“ wurde die gewaltsame territoriale Machtausdehnung im Mittelalter genannt, die als „Kreuzzüge“ firmierte. „Mission“ wurde die Verbreitung christlichen Gedankenguts in Europa durch iroschottische Wandermönche im 5. Jahrhundert genannt. „Mission“ wurde die Einpflanzung europäischer kirchlicher Strukturen in Asien und Afrika im Zuge der Kolonialisierung genannt. „Mission“ wurde der Bau von Brunnen und Krankenhäusern in der sog. „dritten Welt“ im 19. und 20. Jh. genannt. „Mission“ werden Massenversammlungen in bettelarmen Gegenden Afrikas mit dem Ziel möglichst vieler Sofortbekehrungen genannt. „Mission“ nannten und nennen es auch unzählige Frauen und Männer, die alles aufgeben, um Menschen in aller Welt das Evangelium Jesu Christi zu verkünden und dabei ihren Wohlstand, ihre Sicherheit, und nicht selten  auch ihr Leben, zurücklassen.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Bringt sie uns der Antwort auf die Frage näher, was Jesus mit seinen wenigen, kargen Worten dazu gemeint haben könnte?
Im Blick auf den Bibeltext ist zunächst interessant, dass im Gegensatz zu den „Missionsbefehlen“ bei Matthäus, Markus und Lukas in diesem Satz, den Johannes wiedergibt, das Wort „Sendung,“ also „Mission,“ tatsächlich vorkommt, und zwar zweifach: in der Sendung Jesu durch den Vater, mit der unsere Sendung durch Jesus in direktem Zusammenhang steht. „Mission“ – dass kann nie unsere Sache sein, das bleibt immer die Sache Jesu und damit die Sache Gottes des Vaters. Mission, soweit das Zwischenergebnis, das setzt voraus, gesandt zu sein, Jesus, und damit Gott, den Vater, gehört und ihm geglaubt zu haben.

[...] Wenn wir auf die Gruppe derjenigen schauen, die bei der ersten Begegnung dabei waren, fällt noch etwas Merkwürdiges auf. Nachdem Jesus sie gesandt hat, brechen sie keineswegs auf in die weite Welt. Sie gründen keine Kirche und bauen kein Krankenhaus. Sie gründen keine Missionsgesellschaft und es ist nicht einmal die Rede davon, dass sie in der Nachbarschaft Besuchsdienste machen oder zu Gottesdiensten einladen. Das sollte uns zu denken geben: Am Anfang der Missionsgeschichte, die ja durchaus weite Kreise zog, sitzt ein Haufen verängstigter Leute in einem Haus – die Türen sind selbst nach acht Tagen noch „verschlossen“. Sie verfallen keineswegs in Aktionismus. Sie haben unglaubliches erlebt und erfahren und bleiben einfach zusammen, halten Gemeinschaft und halten auch gemeinsam Zweifel aus. Und sie warten gemeinsam auf Jesus, auf eine Bekräftigung seiner Zusage und die Beglaubigung seiner Gegenwart.
Diese Erfahrung – Jesus zu begegnen und den Heiligen Geist zu empfangen – haben viele Menschen auch nach den Aposteln gemacht, bis heute. Mission fängt mit uns an, mit jedem Einzelnen und mit uns als Gemeinschaft, als Leib Christi. Wenn wir uns nicht gegenseitig tragen und ermutigen, im Zweifel und im Glauben zusammen bleiben, brauchen wir uns auch nicht vormachen, wir betrieben „Mission,“ ganz gleich wie aktiv und engagiert wir sind. Aus dieser Kraft heraus aber, der Kraft die aus der Gemeinschaft kommt, die Jesus in ihrer Mitte hat, sind wir schon Gesandte, bevor wir hinausgehen in die Welt. Von diesem Tag an begannen die Jünger, für Jesus zu kämpfen und einzustehen. Stefan starb als Märtyrer in Jerusalem, Petrus und Paulus in Rom und Thomas, so eine Legende, reiste im Namen Jesu bis nach Indien. Sie veränderten die Welt wie kaum jemand vor und nach ihnen.

3 Responses to “Was ist Mission?!”

  1. Daniel said

    Wow! Mich würde interessieren: Gab es Feedback aus der Gemeinde?!

  2. Simon said

    es gab 1-2 positive rückmeldungen, aber nicht inhaltlich. das ist hier glaube ich generell selten..

  3. Thomas said

    Cool! Mission ist ja weder in Princeton noch Heidelberg ein echtes Thema. Gut, dass du das gemacht hast! Und Consulting? ;-)

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